Tanz der Dämonen – Im Gespräch mit Fabian Eder

Shownotes

Der Verleger Volker Toth spricht mit Fabian Eder über dessen eindrucksvolle Novelle „Tanz der Dämonen“.

Im Zentrum stehen Menschen auf der Flucht – vor dem Krieg, vor sich selbst, vor ihrer Vergangenheit: Ein Deserteur nimmt die Identität eines Gefallenen an und verliert den Weg zurück in die Heimat. Eine Frau verschont einen Feind und verändert damit das Schicksal zweier Leben. Auf einem anderen Kontinent geraten zwei Brüder erneut in die Wirren eines Krieges – mit fatalen Konsequenzen.

In poetischer, dichter Sprache verwebt Fabian Eder diese Geschichten über Zeiten und Räume hinweg zu einer kraftvollen Parabel über Schuld, Menschlichkeit und die Wiederkehr von Gewalt. Ein Gespräch über Literatur, existenzielle Entscheidungen und die Aktualität zeitloser Themen.

Transkript anzeigen

00:00:05: Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße Sie recht herzlich zu einer neuen Sendung der Edition Tandem.

00:00:34: Diesmal von der Buchmesse in Leipzig.

00:00:36: Heute führe ich ein Gespräch mit Fabian Eder über sein Buch Tanz der Dämonen.

00:00:46: Was hat man sich darunter vorzustellen?

00:00:48: Ist das eine Kruselgeschichte?

00:00:50: Worüber handelt deine Novelle?

00:00:55: Ich kann mir schon vorstellen, dass manche sagen es ist eine Gruselgeschichte.

00:00:59: Aber es ist natürlich keine Gruselschicht im herkömmlichen Sinn.

00:01:04: Warum geht's?

00:01:05: Es geht darum wie sich Erlebnisse in den Familien weiter fortsetzen die mit... mit traumatischen Ereignissen verknüpft sind.

00:01:25: Es ist die Geschichte einer Familie, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts beginnt und im einundzwanzigste Jahrhunder, also ungefähr hundert oder zwanziger Jahre später endet.

00:01:40: Und die Verzweigungen entstehen durch die Verwerfung der verschiedenen Kriege versucht in einer komprimierten Form nachzuzeichnen, vor allen Dingen auf der emotionalen Ebene.

00:01:58: Diese Komprimierung die gelungen ist bei einer Vorstellung in Wien hat der ÖA-Einsredakteur gemeint dieses Buch das ja knapp seventy fünf Seiten hat Das würde ein anderer mit siebenhundert erst bewerkstelligen diesen Inhalt näher uns näher zu bringen.

00:02:18: Das ist für dich aber sehr wichtig, diese Dichtheit in der Sprache und auch in der Gedankenführung.

00:02:26: Absolut!

00:02:27: Es ist eine große Herausforderung auf die ich in den letzten Jahren immer mehr Lust bekommen habe.

00:02:42: Ist das eigentlich ein fester Bestandteil meines Schreibens und meines Lebens geworden, ist der Versuch die Dinge so zu verknappen um möglichst viel Gedanken aber wenig Zeit zu verschwenden.

00:03:00: Du kommst ja eigentlich vom Film, vom Dokumentarfilm deine Sprache sehr stark... Bildhaft?

00:03:08: Wie weit spielt auch das eine Rolle?

00:03:10: deine Erfahrungen, diese Bildersprache dieses Komprimieren in deinen Filmen jetzt auch in der literarischen Gestaltung.

00:03:20: Naja ich habe als Filmemacher mich immer mehr an der Sprache orientiert als an Bildern.

00:03:29: Für mich waren die Sprachbilder immer wichtiger als die optischen Bilder.

00:03:33: also ich hab meine visuelle Gestaltung an den Sprachbildern ausgerichtet oder dort die Inspiration hergekommen.

00:03:45: Heute bin ich an einem Punkt, wo ich wenn ich zurückschau aber auch sehe dass sich das wie sich das gewandelt hat in diesen Jahrzehnten in denen ich beruflich tätig war oder bin in den unterschiedlichen Feldern Der Film und vor allen Dingen jetzt in der Gegenwart auch mit den Serien eine oft eine epische Breite erlangt, die ich als geradezu Zeitverschwendung identifiziere.

00:04:25: Und daraus ergibt sich eine große Lust zu verknatten!

00:04:29: Das heißt, du gehst sehr ökonomisch um sowohl mit deinen Bildern im Film wie auch mit deiner Sprache.

00:04:35: Aber das Interessante ist für mich dass durch dieses Verdichten der Sprache du trotzdem Räume öffnest um eigene Gedanken aber und Gefühle reinzubringen manchmal sehr starke dass man versucht ist auch weil es einen ja direkt packt was du da schilderst deine Geschichten deine Familiengeschichten Aber man möchte dann oft auch aufhören, aber es ist nicht so dass sie einen einengen sondern dass einem Raum geben sich dort wieder zu finden.

00:05:06: Zu schauen wo es ähnliches in meinem Leben passiert?

00:05:10: Also das ist das schönste Kompliment das wir machen können.

00:05:15: ich bin überzeugt davon dass diese Räume erst entstehen wenn man sich dem Publikum auch lässt dem Leser den Zuschauer in dem Fall dem leser.

00:05:28: Je mehr ich ausschmücke und erzähle, umso mehr vermittle ich vielleicht eine Zeit oder ein Gefühl.

00:05:38: Aber um so weniger Projektionsfläche lasse ich.

00:05:41: Und mir ist es extrem wichtig dass der Leser seine eigenen Räume aufmachen kann und auch seine eigenen Erzählungen erleben kann – auch die der eigenen Familie glaube in irgendeiner Form damit auch im Zusammenhang bringen kann und vielleicht ein bisschen hinter die Mechanik der Erzählungen steigt.

00:06:06: Aber das zeigt auch von einem unwahrscheinlich souveränen Umgang mit Sprache, manchmal habe ich so die Erinnerung an Lyrik, die wir in unserem Verlag sehr stark im Programm haben weil ja dieses Verdichten erfordert ja dass ich sehr präzise bin im Sprachgebrauch in der Wortwahl um nicht ins Schwafeln oder Entschwätzen zu kommen und ganz präzise einen Inhalt zu transportieren.

00:06:32: Der Weg dorthin ist ein langer, weil eigentlich jeder Text den ich schreibe im ersten Schreiben viel zu lange ist Und dann beginnt dieses wegstreichen Und am Anfang wird das dann noch verständlich.

00:07:03: Wenn man diesen Punkt überwunden hat, entsteht etwas ganz Magisch-Poetisches, weil dann auf einmal all die Gedanken, die man vorher über viele, viele Seiten ausgebreitet hat, auf einmal in ein, zwei Sätzen oder in ein paar Worten übrig bleiben.

00:07:23: Ja, das ist ein schönes Stichwort.

00:07:24: Das ist so gesagt, dass es poetisch ist.

00:07:26: Dichtung soll ja Poesie sein und das heißt ja weit mehr Poesies als nur Gedichte oder singt Sprüche in kleinen Bücheln hineinzuschreiben.

00:07:36: Ein letzter Gedanke noch Es kommen auch sehr stark autobiografische Züge in diesem Buch vor eine Ermunterung sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinander zu setzen.

00:07:46: Wie war das dann bei dir?

00:07:48: Ja, also das ist es sowieso.

00:07:51: Das kann ich nur, ich kann nur jeden dazu ermuntern, das zu reflektieren vor allen Dingen auch darüber nachzudenken oder ein bisschen zu hinterfragen wie auch die Geschichte der eigenen Familie in der eigenen familie erzählt wird weil da sind oft abenteuerliche Tichtungen am Weg mit der Wirklichkeit gar nichts zu tun haben.

00:08:11: und das Schöne Eigentlich geht es darum auch gar nicht.

00:08:15: Es geht um die Vermittlung eines Gefühls und auch draufzukommen, und vielleicht verstehen zu lernen warum jemand in der Erzählung etwas verändern möchte was so gar nichts stattgefunden hat.

00:08:35: da kann man natürlich sagen das ist nicht die Wahrheit und dazu darf man nicht sagen stimmt aber auf der anderen Seite kann man auch sagen Ein Gefühl zum Ausdruck gebracht, dass ich durchaus auch wahrnehmen kann und soll.

00:08:51: Und vielleicht verstehen kann, woher dieses Gefühl kommt?

00:08:58: Es sind subjektive Wahrheiten, die sehr viel mit Verträngern, nicht wahrhaben wollen, mit Wünschen zu tun haben... Aber das, was mich dann so interessiert an diesen Familiengeschichten.

00:09:11: Wir machen sehr viel Biografie und Zeitgeschichte, Zeitzeugen, Interviews... ist halt der Aspekt, dass es eine Wirksamkeit hat.

00:09:21: Es ist eine Wirkmächtigkeit in diesen subjektiven Wahrheiten drinnen die auch dann wieder neue Realitäten generieren.

00:09:30: also man kann's nicht wegwischen.

00:09:31: sie sind ja da zumindest im Leben dieser Menschen und in ihren Erzählungen.

00:09:37: Die Summe aller Wahrheiten ist die Wirklichkeit sozusagen der unterschiedlichen.

00:09:46: der Vergangenheit formt die Zukunft.

00:09:49: Wunderbar, und dies ist wunderbar gelungen diese Erzählung in einer ganz speziellen poetischen Sprache uns näher zu bringen.

00:09:57: Recht herzlichen Dank!

00:09:58: Und ich danke Ihnen fürs Zuhören und ich hoffe Sie sind wieder das nächste Mal dabei wenn es heißt Tandem Tratsch von der Edition Tandeme auf Wiederhören.

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